Textauszug des Kunstkritikers und Kunsthistorikers Dominik Imhof (Bern, April 2009):
Malerei und Fotografie stehen im Zentrum des Schaffens von Doris Staub Muster.
Auf die zweidimensionale Fläche, wie man es bei diesen beiden Medien erwarten
würde, lässt sich die Künstlerin jedoch keineswegs festlegen. Und so ist es nicht
erstaunlich, dass sich auch Objekte und Installationen in ihrem Schaffen finden
lassen. Bereits in frühen Malereien, genauso wie in aktuellen Fotografien, wandte
sie verschiedene Materialien in Schichten an und sprengte damit die plane
Fläche. Die Materialien sind dabei weit mehr als nur Malmittel oder Bildträger, sie
sind Teil der Arbeit und bedingen letztlich ihr Aussehen und ihr Wirken. Damit
benutzt die Künstlerin Techniken, in denen sie Themen wie Vergänglichkeit und
Veränderung ideal umsetzen kann.
Mischtechniken bestimmten die Arbeiten Ende der 90er-Jahre. Mit Bitumen
(Teer), Farbpigmenten und Sand aus den unterschiedlichsten Gegenden der Welt
schuf sie abstrakte Kompositionen, die von ihren groben, porösen und zerklüfteten
Oberflächen lebten. Feine Erhebungen zogen sich über die Leinwände genauso
wie tiefes Craquelé – als sei die Leinwand verletzt, lebendig und würde sich
auch Jahre nach der Entstehung noch verändern. Eine eigentümliche haptische
Qualität erreichte die Künstlerin mit ihren meist in erdigen – vielleicht sogar
schmutzigen – Farben ausgeführten geometrischen Abstraktionen. Auch der
Zufall hatte Raum: wie sich Material und Oberfläche verhalten, ist nicht voll kontrollierbar.
Mit der Serie der «fluids» (2005/06) ging die Künstlerin einen neuen Weg. Die
geometrischen Formen sind verschwunden. Es ist aber nicht ein vollständiger
Paradigmenwechsel, denn an gewissen Aspekten, die ihr Schaffen bis anhin prägten,
hielt Doris Staub Muster auch hier fest. Die «fluids» sind zwar in ihrer
Farbigkeit den irdenen Tönen der vorangehenden Schaffensphase entgegengesetzt,
aber die Künstlerin baut wiederum Schicht um Schicht das jeweilige Bild
auf. Jetzt bleibt das Bild jedoch plan, in einer Art Hinterglasmalerei, und ist nicht
rau und narbig. Fliessend bewegen sich sanfte Linien über – eigentlich hinter –
die Bildfläche. Umschlossen sind diese von einem silbernen Rand, der einen knappen
Abstand bietet zur gleichförmigen Farbe des Untergrundes. Die fliessenden,
rastlosen Linien wirken bewegt, als seien sie in steter Transformation, trotzdem ist
den «fluids», gerade im Vergleich zu den früheren Arbeiten, eine Atmosphäre der
Ruhe und Stille sowie eine gewisse Makellosigkeit eigen.
Auch in der neuen Werkreihe entwickelt Doris Staub Muster frühere Themen weiter.
Wieder untersucht sie Flüchtiges. Der Bildträger ist ebenfalls Glas, doch war
dieses in der Serie der «fluids» noch ausschliesslich Träger der Farbe, so wird das
Acrylglas nun zum Objekt und zu einer zusätzlichen Ebene des Werkes: vom
Mittel zum Zweck zu einer Bedingung. Das Acrylglas ist tiefer geworden, als es,
um seinen Zweck als Bildträger zu erfüllen, eigentlich sein müsste. Es wird zu
einer Bedingung, genauso wie die Farbe oder das Motiv, um eine ganz bestimmte
Wirkung zu erzielen. Die entschwindenden Impressionen, die wie auf ein Stück
zähflüssigen Äther gedruckt sind und in den Raum vordringen, erhalten damit
einen massiven und doch so flüchtigen Objektcharakter. Entstanden sind die
Fotografien auf Reisen in Japan, Bhutan und Persien: Stadtansichten und
Landschaften, Blüten und Bambus, Menschen und Gegenstände, wie eine
Fotoreportage zu einem exotischen Land sie zeigen könnte. Die Künstlerin setzt
ihre frühere Arbeitsweise mit fotografischem Bildmaterial um. Einerseits bestehen
die Fotografien aus Schichten, also Überlagerungen von Motiven aus unterschiedlichen
Kulturkreisen. Es entstehen Verschmelzungen von Disparatem, die
unerwartete Zugänge eröffnen, unabhängig von einem kulturellen, politischen
oder auch religiösen Ausgangspunkt des Betrachters. Überlagernde innere
Bildwelten nehmen äusserlich Gestalt an. Parallelwelten und Harmonie finden
sich. Andrerseits arbeitet Doris Staub Muster mit Unschärfen und Verwischungen,
wodurch die Motive in eine diffuse Ferne zu entgleiten scheinen und einen enigmatischen,
unfassbaren Zustand erreichen. Gleichzeitig leuchten dadurch die
Farben durchdringend präsent. Die Abstraktion und Unfassbarkeit wird durch das
Physische des Bildträgers noch verstärkt. Inhalt und Form gehen Hand in Hand.
Beinahe paradox inszeniert die Künstlerin mit entfliehenden Motiven plastische
Überdenk- und Verweilräume als Oasen in der Vergänglichkeit. Sie sucht mit ihren
Bildern Halt in einer Zeit, da die Gesellschaft, von flüchtiger Informations- und
Bilderflut geprägt, den Moment und das «Da-Sein» vergisst.
Textauszug der Kunsthistorikerin Sylvia E. Rüttimann (Bern, Januar 2006):
Doris Staub Musters neue Arbeiten bestechen zuerst einmal durch eine intensive Farbigkeit. Da gibt es ein Pink, ein Gelb, ein Orange, ein dunkles Aubergine, das mit einem klaren Hellblau kontrastiert, ein strahlendes Grün, ja immer wieder ein Grün, in diversen Schattierungen und Intensitätsgraden, um dann wieder gedämpft zu werden durch einen verhalteneren Ton, einer Pastellfarbe zwischen Grau, Weiss und Beige changierend, vielleicht mit einem Schuss Gelb angereichert – aber auch dieser Ton durch die Technik der Hinterglasmalerei zu einer strahlenden Leuchtkraft gebracht. Verbunden werden die verschiedenen Farbklänge nun
durch ein alle Arbeiten durchziehendes Element, das dem mitreissenden Farbrhythmus eine beruhigende Komponente verleiht.
Meist in der Mitte des Bildquadrats – die Künstlerin hat sich für ihre neuen Arbeiten durchgehend für die quadratische Form
entschlossen – manchmal aber auch an dessen Rändern, befinden sich organische Formengebilde, die im Gegensatz zur
abwechslungsreichen Farbigkeit der Hintergründe alle einen ähnlichen bräunlichen Ton aufweisen. Es sind Formen mit einer ganz
eigentümlichen organisch-fliessenden Struktur, weich und rund, die zudem durch die Verteilung der Farbe - in der Mitte hell,
gegen die Ränder dunkler werdend und so eine Schattierung andeutend – dreidimensional wirken. Die Formen vereinen die
Dualität des organischen, fliessenden, vergänglichen Lebens mit dem stillgelegten beständigen Moment.
Land und Wasser, Fliessen und Ruhen, Vergänglichkeit und Ewigkeit sind Assoziationen, die Doris Staub Musters Arbeiten
durchziehen, sei dies in ihren Bildern, Skulpturen oder Videoarbeiten, in denen nun die Bewegung des Fliessens nicht nur in
unseren Köpfen stattfindet, sondern ganz real.
Textauszug Dorothe Freiburghaus (Kunstkeller Bern, Juli 2000):
Doris Staub Muster entdeckt die Farbpigmente und den Teer, genauer Bitumen, ein Teerderivat. Die Masse lässt sich
glattstreichen, aber auch ritzen, aufkratzen und verletzen. Der Teer seinerseits zersetzt die Farbpigmente, so dass ein
Zwischenträger für ihre Farben nötig wird. Im Spannungsfeld der unterschiedlichen Materialien entstehen Haarrisse und
Schrunden, pechschwarze Abgründe, die nicht voraussehbar sind. Aber gerade dieses Eigenleben der Mittel ist faszinierend und
wirkt animierend.
Ein anderes Thema der Künstlerin basiert auf Naturobjekten. Sie erarbeitet zerbrechliche Gebilde aus Latex. Blätter, Rinde,
Baumstrünke bestreicht sie mit natürlicher Gummimilch, die dann als Haut eintrocknet und sich später abziehen lässt. Die
Strukturen der Naturgebilde prägen sich direkt im Material ein. Rindenteilchen bleiben kleben, Sprünge, Risse werden
reproduziert, der Atem vom Lebendigen ist gleichsam lichtdurchlässig und fragil eingefangen. Auch in diesem Arbeitsprozess
wird das Material mit seinem Eigenleben wichtig.
Fast bin ich versucht zu schreiben, dass das Material das Motiv sei - so intensiv ist die Auseinandersetzung damit. Das
stimmt vielleicht sogar, wenn ich dazusetze:
der Arbeitsprozess ist begleitet von scharfer Beobachtung der sich
verändernden Aussage. Diese wird geprägt von der Eigengesetzlichkeit der widerspenstigen Materialien und den persönlichen
Eingriffen. Das fertige Bild wird eine bewusste Gewichtung von "Geschehenlassen" und Gestalten.
Das Aussergewöhnliche in
der Arbeit von Doris Staub Muster ist die Direktheit, mit der abstrakte Werte, seelische Prozesse in handgreifliches Material
transponiert und mit Händen bearbeitet und visualisiert werden.
Die Kunsthistorikerin Sylvia E. Rüttimann im Gespräch mit Doris Staub Muster (Galerie Beatrice Brunner Bern, März 2006):
1.
Kannst du etwas über die Technik dieser neuen Werke sagen? Sind sie mit einem Computerprogramm hergestellt worden,
wie das ja heutzutage einige Künstler machen, man denke an Markus Weiss, der fantastische Welten auf dem Computer entwirft
und sie dann abmalt? Du scheinst ja auch Gefallen an technischen Medien gefunden zu haben, machst nicht nur Fotografien,
sondern auch Videos und Skulpturen, die industriell hergestellt aussehen. Wendest du dich gegen das Kunstwerk als vom
Künstler hergestelltes Unikat, oder näherst du dich einer kühlen Ästhetik wie man sie aus der Grafik kennt an?
Früher habe ich mit Teer gearbeitet. Seine Oberfläche glänzt lackartig. Teerlack trocknet nie vollständig. Deshalb verband
ich ihn mit Sand, Pigmenten und andern organischen Materialien, verwendete ihn als Bindemittel, was die Bildfläche matt,
uneben, haptisch erscheinen lässt.
Bei den neuen Arbeiten glänzen und leuchten die Farben dank der Hinterglastechnik
auffallend stark. Ich wollte das Gegenteil der bisherigen Erscheinungsform erkunden, habe auch rein technisch umgekehrt
gearbeitet, nämlich von vorn nach hinten, wiederum dreidimensional. Das erfordert zwar keinen Computer, jedoch ein genaues
Vorstellungsvermögen, weil sich hinter Glas gar nichts korrigieren lässt. Die Teerbilder waren viel geduldiger, sie liessen
sich fast beliebig übermalen. Die neue Arbeitsweise fordert mich sehr, weil ich mich zum vornherein entscheiden muss, wie ich
die Materialien fliessen lasse oder auftrage, welche Farben ich mische, ob ich die Pigmente sichtbar mache.
Ich wende
mich nicht gegen ein Werk als Unikat, sondern pflege das Individuelle bewusst. Alle Arbeiten sind jedoch durch ein Konzept
verbunden. Dass sie nun kühler und frischer als früher wirken, liegt bereits in der Materialwahl begründet.
2.
Ist es eine gestische Malerei wie bei Jackson Pollocks drippings, die sehr subjektiv und expressiv ist und den
Künstler als kreativen Schöpfer zelebriert, der mittels der Kunst sein Inneres nach Aussen kehrt? Geht es dir um deine eigene
künstlerische Empfindlichkeit?
Ich will und kann mich nicht selbst inszenieren. Mein Ansatz ist ein anderer. Ich gebe dem Form, was mich als Teil der
menschlichen Spezies beschäftigt: Aengste, Gefühle, Hoffnung. Man kann es auch Geistiges nennen. Meine Fluids sind als eine
Dimension der Zeit zu verstehen. Fliessen als Ausdruck von Werden und Vergehen. Wenn meine Arbeit beim Betrachter einen Klang
oder eine Welle auslöst, so fängt sie zu leben an.
Es interessiert mich im Gegensatz zu Pollock wohl eher, wie die
heutigen Medien in ihrer oft kühlen Aeusserlichkeit den Betrachter berühren. Vom künstlerischen Verständis her hinken wohl
die meisten von uns der sogenannten „Sprache unserer Zeit“ hinterher, wie bei der modernen Musik auch.
3.
Der Zufall, aber auch das Spiel sind Begriffe, die dir wichtig sind. Siehst du dich da auch in einer Tradition?
Wie stehst du zu DADA und Fluxus, die heutige interaktive Kunst? Gerade heute spielt die Kunst wieder gern, indem sie
interaktiv ist, etc.
Als Schülerin einer Nonnenschule hörte ich immerhin schon früh im Literaturunterricht von den Dadaisten. Ich war begeistert
von ihrer freiheitlichen Denk- und Ausdrucksweise, von ihrer Poesie, ihrer lustvollen Unbekümmertheit. Sie schufen mir
Freiräume in meiner engen Welt und haben mich ermutigt durchzuhalten. Später traf ich auf einen wichtigen Fluxus Künstler aus
Prag, der heute aber leider verhältnismässig konventionell lebt.
Die Arbeit im Atelier bietet mir eine Möglichkeit, die
künstlerische Freiheit zu nützen, der Spiel- und Experimentierfreude zu frönen.
4.
Das Wort „Forschung“ ist im Zusammenhang mit dem Kunstmachen schon gefallen. Was meinst du damit?
Zunächst einmal meine ich das rein assoziativ, dann aber auch philosophisch. Vor allem meine Bilder erinnern manche an
Aufnahmen aus dem All, andere denken an Aufnahmen aus medizinischen Labors, wieder andere an Wellenrhythmen. Mich selber
interessiert die Chaosforschung. Sie kommentiert und dokumentiert höchst anschaulich, dass sich sowohl im Mikro- als auch im
Makrokosmos einige wenige Grundstrukturen endlos wiederholen. An der Expo war im Pavillon der Wissenschaft dargestellt, wie
wenige DNA-Paare für die gesamte Erbmasse eines Menschen verantwortlich sind und alle übrigen Billionen von Paaren mit jenen
aller Billionen von Menschen identisch waren, sind und sein werden…
5.
Du nennst die Werke „Fluids“. Damit gibst du eigentlich eine Interpretation. Es geht um das „Flüssige“. Was meinst
du damit? Wie wichtig ist dir eine inhaltliche Interpretation der Werke?
Ja, der Titel beinhaltet eine Erklärung. Nehmen wir zum Beispiel Wasser. Es dringt in die kleinste Oeffnung, fliesst zwischen
winzige Sandkörner, solange es nicht gebremst wird. Welch eine herrliche Freiheit! Und welch eine unheimliche Gefahr
gleichzeitig!
Zwischen diesen Polen bewegen wir uns alle. Was soll Zufall? Was fällt uns zu? Laufend treffen wir
Entscheidungen, doch wie viele davon eigentlich unbewusst? Alles ist eine Frage der Wahrnehmung, des Bewusstseins überhaupt.
Dieses zu schärfen, ist eine Aufgabe der Kunst.
6.
Deine Arbeit ist einerseits durchaus konzeptuell, andererseits eben auch sehr sinnlich und lustvoll. Sie ist auch
hier ambivalent. Es geht dir auch um Gegensätze, zwei Seiten der Medaille. Eingefrorene Bewegung in den Skulpturen wie den
Bildern. Die Fliessfiguren könnten auch Landschaften sein. Das Video hat zwei Teile, du nennst sie den intellektuellen und
den emotionalenTeil, symbolisiert durch rund und eckig.
Die Ambivalenz hinter allen Dingen beschäftigt mich, seit ich von der hegelianischen Dualitätstheorie hörte. Ich möchte mit
These und Antithese zur Synthese gelangen. Das ist allerdings so abstrakt, dass die Hände dem Kopf zu Hilfe kommen müssen.
Die zweite Videoarbeit spricht davon wohl am deutlichsten.
7.
Eigentlich sind die Werke ja sehr offen für verschiedene Interpretationen, was ich als eine Stärke der Arbeit
empfinde. Man hat ganz verschiedene Assoziationen. Ich fand es sehr interessant, dass zum Beispiel mein Vater, der Zahnarzt
ist, nicht an Wasser dachte, sondern an histologische Schnitte, also mit einer durch seinen Beruf geprägten Erwartungshaltung
an die Arbeiten heranging. Für mich ist deine Arbeit ein schönes Beispiel eines offenen Kunstwerks, das mehrere
Interpretationen zulässt, es zeigt sich eine spielerische Haltung gegenüber Werten, Vorstellungen, Inhalten, wie schon
erwähnt eine Leichtigkeit und lustvolle Sinnlichkeit. Aber es ist eben auch eine Kunst, die sich nicht engagiert. Hattest du
nie das Bedürfnis, mehr politisch engagiert zu arbeiten? Wie siehst du die Rolle des Künstlers heute?
Ich überlasse die politische Kunst gerne jenen, die etwas davon verstehen, die den Mut zum Engagement haben. Ich habe mich in
jungen Jahren politisch exponiert, wurde aber sehr enttäuscht.
Künstler können und sollen Denkräume schaffen,
unkonventionelle Wege öffnen, Sichtweisen prägen, Wahrnehmung beeinflussen, Fragen aufwerfen, zu denen es keine
vorfabrizierten Antworten gibt.
8.
Die Arbeiten sind alle im selben Format, quadratisch, das Vorgehen ist bei allen dasselbe. Man könnte es Thema mit
Variation nennen. Inwiefern spielt dir der Rhythmus, das Musikalische eine Rolle, im Einzelbild sowie in den Bildern als
Ganzes? Wie gehören die Bilder eigentlich zusammen? Denkst du sie als Serie? Sogar als Installation?
Man spricht vom Farbton. Farben tönen, bergen Musikalität schon in sich. Dominik Stauchs Videoarbeiten, in denen er ganze
Farbkonzerte auf dem Computer orchestriert, haben mich sehr beeindruckt. Ich stelle mir meine Farbtafeln auch verschieden
komponiert oder kombiniert vor, wünsche mir vom Publikum, dass es selber Klangreihen erstellt durch Umhängen der einzelnen
Quadrate. Spielerisch könnten sie zu tanzen beginnen, in verschiedenen Rhythmen.
Tatsächlich fühlte sich ein Besucher,
Komponist von zeitgenössischer Musik, von meinem Video inspiriert. Vielleicht lässt auch er einmal eine andere Dimension von
Zeit in neueTöne fliessen?
9.
Du hast dir ganz neue Medien erschlossen, wie das gefilmte bewegte Bild, aber auch Skulptur und Fotografie,
andererseits sind haben die Bilder auch einen dreidimensionalen Charakter durch die leicht erhobene Fliessfigur. Tatsächlich
ist es ja so, dass man heutzutage auch von einer Hybridkultur spricht, die Medien werden nicht nur abwechslungsweise
gebraucht, sondern vermischen sich untereinander. Wie stehst du dazu? Wie wichtig findest du ist heute noch das
Medium?
Es ist genau das, was mich interessiert, diese Hybridkultur. Früher musste ich Latein büffeln, war dann Sprachlehrerin. Heute
erarbeite ich im Atelier neue Ausdrucksmöglichkeiten. Mit grosser Lust habe ich verschiedene „Sprachen“ eingesetzt und sie
miteinander vernetzt. Das geschah prozesshaft und erreichte den Höhepunkt beim Einrichten der Ausstellung dank einer
geglückten Uebereinstimmung mit der Galeristin und ihren Räumen.
Durch die Wiederholung sich gleichender Formen
verdichtet sich der Inhalt, gewinnt die Dimension der Zeit an Plastizität. Der Inhalt ändert sich kaum und wenn, dann sehr
langsam. Die Medien als Träger des Inhalts benötige ich zum Festhalten einer sonst davonfliessenden Welle.